{"id":23670,"date":"2025-12-04T10:10:01","date_gmt":"2025-12-04T09:10:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.business-geomatics.com\/?p=23670"},"modified":"2025-12-04T10:10:01","modified_gmt":"2025-12-04T09:10:01","slug":"data-driven-democracy-in-arnsberg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.business-geomatics.com\/data-driven-democracy-in-arnsberg\/","title":{"rendered":"Data-driven Democracy in Arnsberg"},"content":{"rendered":"<p>Die Stadt Arnsberg hat mit ihrem kommunalen Digitalen Waldzwilling gezeigt, wie man Methoden der Fernerkundung auch f\u00fcr eigene Belange produktiv nutzen kann. Das technische Know-how hierf\u00fcr lieferte unter anderem die Firma Remote Sensing Solutions.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Stadt Arnsberg im Sauerland ist bekannterweise der Wohnort von Bundeskanzler Friedrich Merz. Aber sie ist nat\u00fcrlich viel mehr. Bei manchen Experten gilt sie beispielsweise auch als (heimliche) Waldhauptstadt Deutschlands. Nicht nur aufgrund der Lage in der waldreichen Region, sondern auch historisch gesehen. Bereits im Jahr 1368 gab es dort ein bis dato historisch einmaliges Wald-Ereignis: Der damalige F\u00fcrst Gottfried\u00a0IV. blieb kinderlos und schenkte seinen Forstbesitz den B\u00fcrger:innen Neheims, heute ein Ortsteil der Stadt Arnsberg). Noch heute gibt es zum Gedenken dort das j\u00e4hrlich stattfindende Donatorenfest.<\/p>\n<div id=\"attachment_23671\" style=\"width: 895px\" class=\"wp-caption alignright\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-23671\" class=\" wp-image-23671\" src=\"https:\/\/www.business-geomatics.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Screenshot-2025-11-11-125427-1024x605.jpg\" alt=\"\" width=\"885\" height=\"503\" \/><p id=\"caption-attachment-23671\" class=\"wp-caption-text\">Dashboard des Waldmonitor Arnsberg \u2013 entwickelt durch RSS. Hier finden sich flurst\u00fccksscharfe Fachinformationen zum Wald bis auf Ebene von Einzelb\u00e4umen. Bild: Remote Sensing Solutions GmbH (RSS)<\/p><\/div>\n<p>Es ist deshalb kein Zufall, dass Arnsberg den ersten kommunalen Waldmonitor in Deutschland erstellt hat. Und wer genauer hinschaut, stellt fest, dass dies auch eines der interessantesten Projekte hierzulande ist, was fachliche Fragestellungen aus den Bereichen Fernerkundung, GIS und 3D-Modellierung darstellt.<br \/>\nDie auch als Digitaler Waldzwilling bezeichnete L\u00f6sung erlaubt es, die Entwicklung des Zustandes von Laub- und Nadelb\u00e4umen in Bezug auf ihre Vitalit\u00e4t und ihren Wassergehalt zu \u00fcberwachen, die Waldbiomasse und den darin gespeicherten Kohlenstoff zu sch\u00e4tzen und die Schadfl\u00e4chen der letzten Jahre zu quantifizieren. Der Waldmonitor Arnsberg ist ein Projekt des Smart City Modellprojekts \u201e5 f\u00fcr S\u00fcdwestfalen\u201c. Initiiert wurde er von der Stadt Arnsberg, entwickelt von der Firma Remote Sensing Solutions GmbH und wissenschaftlich begleitet von der Naturwald Akademie aus L\u00fcbeck.<\/p>\n<div class=\"infobox\"><em><strong>\u00dcber Kalamit\u00e4ten, Korinthen und das altgriechische Kratos<\/strong><\/em><br \/>\nWas im Jahr 2023 beschlossen wurde, sollte nun eigentlich in Kraft treten: Zum 1. Januar 2026 war bis Ende November der Start der EU Deforestration Regulation (EUDR) vorgesehen, der im Zuge des europ\u00e4ischen Green Deals verabschiedet worden war. Das Gesetz sieht vor, dass alle Abnehmer von nat\u00fcrlich gewachsenen Rohstoffen, also beispielsweise Kakao, Soja, Palm\u00f6l oder nat\u00fcrlich Holz nachweisen m\u00fcssen, dass durch deren Nutzung keine zus\u00e4tzlichen W\u00e4lder abgeholzt wurden. Schlie\u00dflich drohen die klimabedingten Kalamit\u00e4ten (Waldsch\u00e4den), \u2013 ein Begriff, der sich aus dem griechischen Wort kal\u00e1m\u0113 f\u00fcr Halm ableitet, der umgeknickt sinnbildlich f\u00fcr ein gro\u00dffl\u00e4chiges Ernteungl\u00fcck steht.<br \/>\nEin ambitioniertes Gesetz also \u2013 mit einer zweifelsohne gut gemeinten Intention. Und die nat\u00fcrlich auch vor dem Hintergrund der akuten Zollstreitigkeiten als weltpolitisches Druckmittel verstanden werden kann \u2013 das ist aber eine andere Geschichte.<br \/>\nIn Realit\u00e4t hat sich die EUDR, wen wundert es, als b\u00fcrokratisches (Kratos, griechisch f\u00fcr Macht) Monster entpuppt. Weite Teile der Holzindustrie und deren angeschlossene Branchen (zu denen Druck- und Verpackungsindustrie und zu guter Letzt auch diese Zeitung geh\u00f6ren), Lebensmittelindustrie und viele mehr (auch die Automobilindustrie mit Kautschuk oder Leder) sind auf die Barrikaden gegangen. In der EU gibt es Streitigkeiten, argumentativ werden schwere Gesch\u00fctze aufgefahren, Deindustrialisierung ist eines davon. Manch einer argumentiert auch mit S\u00e4tzen wie, \u201eJetzt will die EU sogar weltweit die B\u00e4ume z\u00e4hlen\u201c. Die EU als kleinliche Pedantin, die schrumpelige, violett-schwarzen Trauben ausscheidet (griechisch Korinthiaki).<br \/>\nDer Witz dabei: Die globale Einzelbaumerkennung ist bereits m\u00f6glich. Durch die Digitalisierung im Allgemeinen und die Fernerkundung im Besondern. Moderne Satellitendaten erm\u00f6glichen n\u00e4mlich zuverl\u00e4ssige Sch\u00e4tzverfahren, um die Anzahl der weltweiten B\u00e4ume, deren genaue Standorte, inklusive Klassifikation der Arten zu liefern. Davon abgeleitet auch Biomasse und Co2-orientierte Daten f\u00fcr den weltweiten Kohlenstoffkreislauf. Es ist sogar m\u00f6glich, dies mit immer gleichen Verfahren zu wiederholen, und damit sogar den strengen Kriterien wissenschaftlicher Forschung zu gen\u00fcgen. Inklusive hohem Automatisierungsgrad und Einsatz von neuronalen Netzen und maschinellem Lernen (gemeinhin als KI bekannt). Die Welt k\u00f6nnte also lernen, solange es eine Institution gebe, die dies will und auch finanzieren kann. Es gibt schon einen Begriff daf\u00fcr: Die Kombination aus digitaler und nachhaltiger Transformation wird hier und da bereits als Twin-Transformation bezeichnet. So k\u00f6nnte ein Schuh aus dem globalen Einzelbaum-Monitoring werden. Mit der GIS- und Fernerkundungsbranche als einer der Hauptakteure. (sg)<\/div>\n<p><strong>Satellitendaten als Basis<\/strong><br \/>\nDer Waldmonitor bietet nun erstmals alle Informationen flurst\u00fcckspezifisch an, wodurch mittels Klicks in der interaktiven Karte alle Statistiken pro Flurst\u00fcck angezeigt werden k\u00f6nnen.<br \/>\nEine Schl\u00fcsselfunktion \u00fcbernimmt die Fernerkundung und dort vor allem das europ\u00e4ische Copernicus-Programm, \u00fcber das die Daten der Sentinel-Satelliten-Missionen kostenfrei zur Verf\u00fcgung gestellt werden. \u201eDie Daten sind so leistungsf\u00e4hig, dass selbst kleinere Kommunen davon profitieren k\u00f6nnen\u201c, sagt Dr. Jonas Franke, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Remote Sensing Solutions (RSS) GmbH.<br \/>\nIn Arnsberg werden sogar neue Denkans\u00e4tze f\u00fcr die Forstwirtschaft verfolgt. Haben bisherige Waldmonitoring-Konzepte eher vom Kleinen ins Gro\u00dfe gesch\u00e4tzt, geht man in der Fernerkundung anderes herum vor: Vom Gro\u00dfen ins Kleine. Arnsberg ist demnach auch ein Pr\u00fcfstein f\u00fcr die Frage, wie die Fernerkundung auch kleineren Gebietsk\u00f6rperschaften helfen kann.<br \/>\nSentinel-Daten sind also ein sogenannter Enabler des Projekts. Sie liefern \u201ealle paar Tage einen fl\u00e4chendeckenden Datensatz\u201c, sagt Franke und beschreibt damit wesentliche Vorteile der Satellitendaten: gro\u00dfe Fl\u00e4chen homogen in schnell wiederkehrenden Zyklen erfassen \u2013 und das bei Copernicus sogar kostenfrei. In Arnsberg sind im Wesentlichen Daten aus der Sentinel-2-Konstellation im Einsatz, die optische Daten inklusive Infrarotanteil beinhalten. Obwohl bei anderen forstwirtschaftlichen Forschungen auch Sentinel-Daten der Konstellationen 1 und 3 genutzt werden.<\/p>\n<div id=\"attachment_23672\" style=\"width: 524px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-23672\" class=\" wp-image-23672\" src=\"https:\/\/www.business-geomatics.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/AdobeStock_474445327_Alaska-1024x683.jpeg\" alt=\"\" width=\"514\" height=\"428\" \/><p id=\"caption-attachment-23672\" class=\"wp-caption-text\">Das Schloss Arnsberg aus dem 11. Jahrhundert war eine der Keimzellen der Stadt Arnsberg. Quelle: Foto: Alaska \/ stock.adobe.com<\/p><\/div>\n<p><strong>Einzelb\u00e4ume erkennen und sch\u00e4tzen<\/strong><br \/>\nMit den Sentinel-Daten allein lassen sich jedoch keine Einzelb\u00e4ume bestimmen. Hier kommen sehr hoch aufgel\u00f6ste Luftbilder ins Spiel, die genau dies erm\u00f6glichen. Mit ihnen k\u00f6nnen sogar Baumh\u00f6hen berechnet werden (in Arnsberg nutzt man daf\u00fcr amtliche, digitale Gel\u00e4nde- und Oberfl\u00e4chenmodelle (DGM)), um daraus dann Baumh\u00f6hen und in der Folge sogar Volumenbestimmungen des Waldes zu berechnen.<br \/>\nDie Satellitendaten erm\u00f6glichen wiederum ein ausgekl\u00fcgeltes Sch\u00e4tzverfahren, um aus den per Luftbild gewonnenen Detaildaten valide Fl\u00e4chendaten zu gewinnen. RSS arbeitet dabei eng mit der Naturwald Akademie in L\u00fcbeck zusammen, der eine Art Think-Tank in Deutschland darstellt und eng in dem Arnsberger Projekt mitgearbeitet hat. So entstehen moderne, modellgest\u00fctzte Biomassebestimmungen sowie Sch\u00e4tzungen des in der Waldbiomasse gebundenen Kohlenstoffs. \u201eWir haben eine operationelle Monitoring-Plattform mit sehr innovativen Tools aufgebaut, die beliebig auf andere Kommunen \u00fcbertragbar ist\u201c, so Franke.<br \/>\nDie Stadt Arnsberg hat so etwa auch Kohlenstoffsenken modelliert, etwa vor dem Hintergrund der LULUCF-Verordnung f\u00fcr Treibhausgasemissionen. Aber es war auch klar, dass der Digitale Zwilling nicht nur ein Thema f\u00fcr die Fach\u00f6ffentlichkeit ist. Im Sauerland ist \u201eder Wald\u201c Wirtschaftsraum, Erholungsraum, touristischer Playground und Teil der regionalen Identit\u00e4t auf einmal. Was nach dem D\u00fcrre-Schock der sp\u00e4ten 2010er Jahre auf besonders fruchtbaren Boden fiel. Der Digitale Zwilling Wald dient demnach dazu, die Menschen f\u00fcr neue Visionen der regionalen Entwicklung zu sensibilisieren und mitzunehmen \u2013 eine Art Data-driven-Democracy.<br \/>\nFolglich ist die Visualisierung des Digitalen Waldes ein besonderes Thema, es galt eine intuitive und f\u00fcr jede Interessenslage geeignete Darstellung zu erm\u00f6glichen. RSS hat daf\u00fcr das entsprechende Dashboard entwickelt, das \u00dcbersichtlichkeit und Fachlichkeit zugleich unterst\u00fctzt. \u201eDie Themen UX und UI waren sehr wichtig in dem Projekt\u201c, sagt Franke.<\/p>\n<p><strong>Weltweite Erfahrungen<\/strong><br \/>\nRSS ist im Bereich Fernerkundung schon seit 25 Jahren aktiv und unterst\u00fctzt weltweit Projekte und Unternehmen mit L\u00f6sungen im Bereich Umweltmonitoring. Mit der Entwicklung VerifAId, bietet RSS auch Plattformen an, mit denen man global Klimaschutzprojekte \u00fcberwachen sowie automatisch Abholzung von W\u00e4ldern im Rahmen der Europ\u00e4ischen Entwaldungsverordnung erkennen kann. In vielen internationalen Projekten werden unter anderem innovative und praxisrelevante L\u00f6sungen in den Bereichen des Ausbaus erneuerbarer Energien, Renaturierung von Mooren und im Bereich Gesundheit entwickelt. Arnsberg ist eines der ersten Projekte auf kommunaler Ebene. Die kostenlose Verf\u00fcgbarkeit der Copernicus-Daten war daf\u00fcr ein T\u00fcr\u00f6ffner. Es galt aber, mehrere Schwellen zu \u00fcberwinden, vor allem in der an traditionelle Methoden gew\u00f6hnten Forstwirtschaft. \u201eDie Kosten, die Verf\u00fcgbarkeit der Daten oder Know-how Barrieren, waren fr\u00fcher eine Ursache f\u00fcr ein z\u00f6gerliches Interesse an der Fernerkundung\u201c, sagt Franke.<\/p>\n<div id=\"attachment_23673\" style=\"width: 760px\" class=\"wp-caption alignright\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-23673\" class=\" wp-image-23673\" src=\"https:\/\/www.business-geomatics.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/bild2-1.jpg\" alt=\"\" width=\"750\" height=\"470\" \/><p id=\"caption-attachment-23673\" class=\"wp-caption-text\">Dashboard des Arnsberger Waldmonitorings. Viel Wert wurde dabei auf UX und UI gelegt, schlie\u00dflich gibt es viele Nutzer mit sehr unterschiedlichen Erfahrungshintergr\u00fcnden. Bild: Remote Sensing Solutions GmbH (RSS)<\/p><\/div>\n<p><strong>Von 2D zu 3D<\/strong><br \/>\nIm Dashboard des Digitalen Waldzwillings sind derzeit nur 2D-Daten sichtbar, die Arnsberger:innen arbeiten aber schon am n\u00e4chsten Schritt. N\u00e4mlich an der Verbindung mit dem st\u00e4dtischen Zwilling und damit auch an 3D. Aktuell generieren die Projektmitarbeiter:innen ein 3D-Mesh des Waldes, um ihn integrieren zu k\u00f6nnen. In Kombination entsteht nochmals neuer Nutzen. \u201eWir denken schon sehr weit, beispielsweise ist der Waldboden auch f\u00fcr Starkregensimulationen der Stadt wichtig, weil die Speicherf\u00e4higkeit des Bodens auch ein entscheidender Eingangsparameter f\u00fcr Simulationen ist und so Wirkung auf Geo- und Klimarisiken f\u00fcr Siedlung, Geb\u00e4ude und Gewerbe hat\u201c, so Sebastian Witte, Referatsleiter f\u00fcr nachhaltige Entwicklung in Arnsberg, der auch das Projekt Digitaler Zwilling mit verantwortet hat.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.arnsberg.digital\">www.arnsberg.digital<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.remote-sensing-solutions.com\">www.remote-sensing-solutions.com<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Stadt Arnsberg hat mit ihrem kommunalen Digitalen Waldzwilling gezeigt, wie man Methoden der Fernerkundung auch f\u00fcr eigene Belange produktiv nutzen kann. 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