{"id":23665,"date":"2025-12-04T09:49:36","date_gmt":"2025-12-04T08:49:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.business-geomatics.com\/?p=23665"},"modified":"2025-12-04T09:49:36","modified_gmt":"2025-12-04T08:49:36","slug":"stuttgart-erfolgreiche-bruecke-zwischen-bim-und-gis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.business-geomatics.com\/stuttgart-erfolgreiche-bruecke-zwischen-bim-und-gis\/","title":{"rendered":"Stuttgart: Erfolgreiche Br\u00fccke zwischen BIM und GIS"},"content":{"rendered":"<p>Der Ersatzneubau einer Neckarbr\u00fccke in Stuttgart l\u00e4uft auf einem durchg\u00e4ngig digitalisierten Prozess. Ma\u00dfgebend f\u00fcr die gelungene Integration von BIM und GIS ist die Firma Geoplex und der Digitale Zwilling der Landeshauptstadt.<\/p>\n<div id=\"attachment_23666\" style=\"width: 913px\" class=\"wp-caption alignright\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-23666\" class=\" wp-image-23666\" src=\"https:\/\/www.business-geomatics.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/1-1024x221.jpg\" alt=\"\" width=\"903\" height=\"186\" \/><p id=\"caption-attachment-23666\" class=\"wp-caption-text\">Quelle: LHS Stuttgart\/MLP + DKFS<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_23667\" style=\"width: 912px\" class=\"wp-caption alignright\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-23667\" class=\" wp-image-23667\" src=\"https:\/\/www.business-geomatics.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/2-1024x219.jpg\" alt=\"\" width=\"902\" height=\"155\" \/><p id=\"caption-attachment-23667\" class=\"wp-caption-text\">Einzelbilder des Flugs \u00fcber den Entwurf der Wilhelmsbr\u00fccke innerhalb des Digitalen Zwillings. Hier am Beispiel des sp\u00e4teren Gewinnerentwurfs. LHS Stuttgart\/MLP + DKFS<\/p><\/div>\n<p>Wie in vielen deutsche St\u00e4dten liegt auch in Stuttgart in den Br\u00fccken eine gro\u00dfe st\u00e4dtebauliche Herausforderung. Die Stadt am Neckar hat viele alte und zum Teil auch marode \u00dcberquerungen \u00fcber den als Bundeswasserstrasse klassifizierten Fluss. Als verbindende Elemente pr\u00e4gen sie die Identit\u00e4t einer Stadt, in der Automobilregion sind sie auch ein Feld hitziger politischer Diskussionen und Konfliktfelder, schlie\u00dflich soll die neue Wilhelmsbr\u00fccke eine Fu\u00dfg\u00e4nger- und Fahrradbr\u00fccke bleiben. Vor diesem Hintergrund entschied man sich in der Stadt, die Mittel der Digitalisierung optimal einzusetzen, und das auf m\u00f6glichst vielen Ebenen. Es galt, nicht nur einen fairen, effizienten und schnellen Wettbewerb zu entwickeln, sondern auch Verwaltung und Planung zu beschleunigen und auch eine exzellente Ingenieursleistung zu stimulieren.<br \/>\nEin Steilpass also auch f\u00fcr das st\u00e4dtische Tiefbauamt, der auch prompt angenommen wurde. \u201eDie Idee, den bisher auf den althergebrachten Gipsmodellen basierten Ausschreibe- und Wettbewerbsprozess durchg\u00e4ngig zu digitalisieren, fiel sofort auf fruchtbaren Boden\u201c, sagt Silvia Deist, Leiterin des Sachgebiets Geodaten und BIM innerhalb des Tiefbauamtes der Stadt.<\/p>\n<div id=\"attachment_23668\" style=\"width: 705px\" class=\"wp-caption alignright\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-23668\" class=\" wp-image-23668\" src=\"https:\/\/www.business-geomatics.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Screenshot-Stuttgart-3d-Bruecke-detaillierter-1024x500.jpg\" alt=\"\" width=\"695\" height=\"315\" \/><p id=\"caption-attachment-23668\" class=\"wp-caption-text\">F\u00fcr den Digitalen Zwilling wurde der Detaillierungsgrad in dem Gebiet rund um die Br\u00fccke per spezieller Datenaufnahme verdichtet und erweitert, etwa mit einer Modellierung von B\u00e4umen, Stra\u00dfenbeleuchtung, Oberleitungsmasten und Ampelanlagen. Quelle: Landeshauptstadt Stuttgart<\/p><\/div>\n<p><strong>Br\u00fccke mit Symbolwert<\/strong><br \/>\nAn der Stelle der traditionsreichen Wilhelmsbr\u00fccke wurde schon 1835 eine Verbindung zwischen Altstadt und Neckarvorstadt (Bad Cannstatt) gebaut. Nach mehreren Umbauten und Umwidmungen entstand das aktuelle Bauwerk im Jahr 1946 in der damals schon nicht mehr topaktuellen, genieteten Stahlbauweise. 2023 entschied man sich f\u00fcr einen Neubau und gleichzeitig daf\u00fcr, einen m\u00f6glichst vollumf\u00e4nglichen BIM-Prozess zu implementieren.<br \/>\nW\u00e4hrend Entwurf und ingenieurstechnische Planung von Br\u00fccken schon digitalisiert sind, sieht es bei der Integration von GIS und BIM noch anders aus. Hier steht die Verbindung der Planungs- und Verwaltungsbereiche im Vordergrund, weshalb es in ganz Deutschland noch viel Optimierungspotenzial gibt. Gefragt sind integrierte Ans\u00e4tze, bei denen die Themen wie Stadtbild, Architektur, multimodaler Verkehr (auch die Binnenschifffahrt), B\u00fcrokratie, Klima und manches andere zusammenkommt. Die Wilhelmsbr\u00fccke ist daher auch ein Pr\u00fcfstein f\u00fcr die Integration von BIM und GIS. Diese wird zwar schon lange und viel diskutiert, die Praxis beginnt aber gerade erst bestehende L\u00f6sungen in die Umsetzung zu bringen. Dabei wird von der st\u00e4dtischen Verwaltung auch allgemein eine st\u00e4rkere abteilungs\u00fcbergreifende Zusammenarbeit erwartet.<\/p>\n<p><strong>Viele Ebenen der Nutzung<\/strong><br \/>\nDies wurde in Stuttgart bravour\u00f6s gemeistert. Der Realisierungswettbewerb sah zw\u00f6lf Einreichungen vor. Dass BIM bei Br\u00fccken ingenieurstechnisch l\u00e4ngst weit verbreitet und erprobt ist, merkte man allein daran, dass alle zw\u00f6lf Wettbewerber keinerlei Probleme hatten, ihre Modelle ins Stadtmodell zu integrieren. Gefordert war ein Modell nach dem Standard IFC 4.3. Die hochgeladenen Modelle waren entweder bereits georeferenziert oder konnten im eingesetzten Planungsmodul (PlexMap Planer) von den Ingenieur:innen\/Architekt:innen manuell platziert werden. \u201eIm Rahmen der Ausschreibung kamen so gut wie keine R\u00fcckfragen zum technischen Prozess\u201c, beschreibt Frederik Hilling, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von Geoplex.<br \/>\nWas auch daran liegt, dass die PlexMap-Plattform des Unternehmens barrierefrei funktionierte. Die IFC-Daten der Br\u00fccke konnten also verlustfrei in den urbanen digitalen Zwilling integriert werden. Daf\u00fcr bietet PlexMap eine breite Palette an M\u00f6glichkeiten, die \u201eteilweise sogar \u00fcber das hinausgeht, was derzeit noch in vielen Projekten an der Stelle gefordert ist\u201c, so Hilling. Das Stadtmessungsamt, wo PlexMap bereits seit vielen Jahren erfolgreich eingesetzt wird, hatte dem Tiefbauamt die L\u00f6sung empfohlen, was sich im Nachhinein bew\u00e4hrte. \u201ePlexMap eignet sich auch sehr gut f\u00fcr unseren Anwendungsfall\u201c, res\u00fcmiert Deist.<br \/>\nStuttgart darf daher als Leuchtturmprojekt gelten. Ausschreibungen und Wettbewerbe im Bereich Br\u00fccken werden von vielen Bauherren der \u00d6ffentlichen Hand zwar bereits digital ausgeschrieben, in der Branche ist allerdings bekannt, dass in den wenigsten F\u00e4llen dann auch ein durchgehend digitaler Prozess folgt.<br \/>\nInteressant ist auch das Management des Wettbewerbs und die digitale Pr\u00e4sentation der Entw\u00fcrfe im Digitalen Zwilling. Geoplex kreierte daf\u00fcr einen 3D-Rundflug \u00fcber die jeweiligen Br\u00fccken, der f\u00fcr alle Teilnehmenden gleich war. Die entsprechenden Filme wurden dann im Rahmen der Pr\u00e4sentationen gezeigt. Wobei Stuttgart im Nachhinein gesehen sogar zu defensiv kalkuliert hatte. \u201eDas Interesse war so gro\u00df, dass in vielen Situationen individuelle Sichten und Visualisierungen gew\u00fcnscht wurden, die konnten allerdings nicht ausgef\u00fchrt werden, weil die n\u00f6tige IT-Infrastruktur vor Ort noch fehlte. Das werden wir beim n\u00e4chsten Mal sicher anders machen und den Interessenten mehr Platz geben f\u00fcr individuelle Erkl\u00e4rungen, detailliierte Er\u00f6rterungen oder schlicht ein spielerisches Erleben des neuen Bauwerks\u201c, so Deist. Daf\u00fcr spielen auch moderne digitale Displays oder interaktive Bildschirme eine gro\u00dfe Rolle, also die Nachfolger des analogen Gipsmodells.<br \/>\nUm die Entscheidungsgrundlage f\u00fcr die Jury zu anonymisieren, bekam jeder Wettbewerbsteilnehmende nach Abgabe der Planung eine von PlexMap automatisch erstellte Chiffre-Nummer, die in den Ausschreibungsunterlagen vermerkt wurde. Der Gewinner hatte, so wei\u00df man inzwischen, die \u201eTarnzahl\u201c 1011. So entstand ein fairer Wettbewerb, der nicht nur regelkonform war, sondern auch objektiv den besten Entwurf w\u00fcrdigte.<br \/>\nAuch die f\u00fcr ein solches Projekt notwendige Datenintegration wurde erfolgreich umgesetzt. Der Digitale Fachzwilling \u201eWilhelmsbr\u00fccke\u201c baute auf den Daten des Stadtmessungsamtes (Geobasiszwilling) auf, es wurden jedoch noch weit mehr projektspezifische und detailliertere Daten integriert. Dazu wurden beispielsweise Drohnen- und Spezialbefliegungen durch das Team im Sachgebiet von Silvia Deist durchgef\u00fchrt. Zum Beispiel wurden so B\u00e4ume in H\u00f6he und Kronendurchmesser originalgetreu abgebildet, was nicht nur f\u00fcr den \u00e4sthetischen Gesamteindruck der Br\u00fcckenarchitektur und die visuelle Qualit\u00e4t bei der Juryentscheidung wichtig war, sondern auch f\u00fcr objektive Bewertungen von Sichtachsen. \u201eEs ist sehr wichtig zu wissen, wie sich die Br\u00fccken aus verschiedenen Perspektiven in die Umgebung integrieren\u201c, so Deist.<br \/>\nAlle Daten wurden in das Gau\u00df-Kr\u00fcger-Koordinatensystem transformiert, das im Tiefbauamt der Landeshauptstadt Stuttgart f\u00fcr alle Planungen genutzt wird. Auch Leitungsdaten aus dem Untergrund wurden beispielsweise ber\u00fccksichtigt. So kann der Digitale Fachzwilling auch f\u00fcr den Abriss der alten Br\u00fccke genutzt werden.<\/p>\n<p><strong>Abschied vom Gipsmodell<\/strong><br \/>\n\u201eDie Wettbewerbe k\u00f6nnen nun komplett neu gedacht werden\u201c, so Deist. Die fr\u00fchere Nutzung der Gipsmodelle ist nicht nur einfach altmodisch, er ist auch wirtschaftlich kritisch. Das Bauen und Erstellen von Negativen, die Vervielf\u00e4ltigung, die Einpflege von \u00c4nderungen, der logistische Aufwand von Transport, Aufbau und Lagerung erfordern viel Personal, Raum, Rohstoffe und eben auch finanzielle Ressourcen.<br \/>\nGewonnen hat die Arbeitsgemeinschaft bestehend aus den Architekturb\u00fcro Mayr, Ludescher und Partner, Beratende Ingenieure (Stuttgart) und der DKFS (Aachen) mit einer Deckbr\u00fccke aus zwei Stahlhohlkastenquerschnitten.<br \/>\nJ\u00fcrgen Mutz, Amtsleiter des Tiefbauamts und erster Betriebsleiter der Stadtentw\u00e4sserung Stuttgart, war selbst Teil der Jury und freute sich \u00fcber die Entscheidung: \u201eWir hatten einen starken Wettbewerb mit tollen Beitr\u00e4gen. Die Entw\u00fcrfe der Preistr\u00e4ger haben eine hervorragende Qualit\u00e4t. Mit der Jury des Preisgerichts sind wir durch konstruktive Diskussionen z\u00fcgig und einstimmig zu einer L\u00f6sung gekommen. Wir werden so schnell wie m\u00f6glich in die Planung einsteigen, um eine neue Wilhelmsbr\u00fccke in Bad Cannstatt zu bauen.\u201c<br \/>\nAuch Prof. Dr.-Ing. Stephan Engelsmann, Vorsitzender des Preisgerichts, war begeistert: \u201eDas Tiefbauamt Stuttgart hat mit dem Wettbewerb f\u00fcr die Wilhelmsbr\u00fccke in Bad Cannstatt Vorbildfunktion \u00fcbernommen. Die mit Preisen ausgezeichneten Arbeiten der entwerfenden Ingenieure stellen herausragende Beitr\u00e4ge zu Stadt- und Infrastrukturplanung dar.\u201c<br \/>\nGelobt wurde der Preistr\u00e4ger auch f\u00fcr die Einbindung des Bauwerks in das geografische Umfeld. Prof. Christa Reicher, Gestaltungsbeir\u00e4tin der Landeshauptstadt Stuttgart, hob \u201esowohl das Br\u00fcckenbauwerk selbst als auch die gestalterische Qualit\u00e4t des Neckarufers\u201c hervor, die der Entwurf hochwertig vollziehe. Auch auf \u00e4sthetischer Seite also ein gelungener Br\u00fcckenschlag zwischen CAD und GIS. \u201eDas gesamte Projekt hat sehr gut funktioniert\u201c, sagt Deist. Die Stadt will das innovative Vorgehen daher weiter ausbauen.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.stuttgart.de\">www.stuttgart.de<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.geoplex.de\">www.geoplex.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Ersatzneubau einer Neckarbr\u00fccke in Stuttgart l\u00e4uft auf einem durchg\u00e4ngig digitalisierten Prozess. Ma\u00dfgebend f\u00fcr die gelungene Integration von BIM und GIS ist die Firma Geoplex und der Digitale Zwilling der Landeshauptstadt. Wie in vielen deutsche St\u00e4dten liegt auch in Stuttgart in den Br\u00fccken eine gro\u00dfe st\u00e4dtebauliche Herausforderung. 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